17 Jul 2016

BREXIT: Adieu mit weinenden Augen

Eine neue Herausforderung kommt auf Europa, auf Deutschland und auf Celle zu: Der anstehende Brexit.

Die Engländer haben nicht nur der Stadt Celle und dem Landkreis Celle Adieu gesagt, nein, Großbritannien hat entschieden, sich von der EU insgesamt zu verabschieden. Dies ist in seinen wirtschaftlichen Folgen auch heute noch nicht abschließend zu überschauen. Allein im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg rechnet man mit 95 Millionen Euro Umsatzverlust und in ganz Deutschland sind Exporte im Wert von 95 Milliarden Euro gefährdet. Von daher wird die Entwicklung eines zukunftsfähigen Wirtschaftskonzeptes für die Stadt Celle (Wirtschaft 2030) immer wichtiger. Und wir sollten die Freundschaft zu Großbritannien aufrecht erhalten. Frieden in Europa schaffen wir nur gemeinsam. Wir werden weiterhin gute Kontakte mit unserer englischen Partnerstadt Tavistock pflegen.

Vieles von dem, was die Brexit-Befürworter den Menschen versprochen haben, haben sie bereits in der Stunde ihres Sieges wieder kassiert. Diejenigen, die sich ganz besonders für den Brexit eingesetzt haben, haben – wie „die Ratten das sinkende Schiff“ –  ihre Parteiämter und ihre Posten verlassen. Ganz offensichtlich fehlt es an der Kraft und Bereitschaft, die Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Und deshalb sehe ich mit großer Sorge auf die Populisten, die wir in Europa inzwischen kennengelernt haben. In Österreich heißt er Strache, in Frankreich heißt sie Le Pen, in den USA Trump und in Deutschland versuchen sich Frau Petry oder Herr Höcke daran. Unsere Welt, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ist weder auf der europäischen noch auf der Bundes- oder Landesebene, ja, nicht einmal auf der kommunalen Ebene so einfach geworden, dass man mit simplen Lösungen tatsächlich unser Gemeinwesen zusammenhalten und entwickeln könnte. Das ist, wie bei dem Berufsbild des Mechanikers: Früher konnten viele selbst einen Motor auseinander nehmen, reinigen, wieder zusammensetzen und er funktionierte. Heute darf man nur noch die Motorhaube aufmachen und man ist nicht mehr in der Lage, irgendetwas daran selbst zu tun. So wie der Fortschritt dort dazu geführt hat, dass wir nicht mehr Mechaniker, sondern Mechatroniker ausbilden, die mit dem komplexen Werk unserer heutigen Motoren zurechtkommen, ist es auch in den vielfältigen Beziehungen der Politik. Da braucht es Menschen, die mit Übersicht, mit breiten fundierten Kenntnissen die Folgen ihres Tuns und Handelns überblicken und wirklich verantworten können. Einfache Rezepte taugen da nicht!

Ich bin mir sicher, die Europäische Gemeinschaft und die jetzt 27 Staaten, die sie umfasst, werden mit dem Brexit richtig umgehen. Ich vertraue da unserer Bundesregierung und denen, die in Berlin und Brüssel die Folgen bewerten. Ich vertraue unserer Demokratie, da die verantwortlichen Menschen wie unsere Bundeskanzlerin oder unser Außenminister die Folgen Ihres Tuns sehr genau abschätzen. Noch werden die Länder in der EU überwiegend von verantwortungsvollen Menschen regiert. Ich habe deshalb keine Sorge, dass der Brexit zu einem erheblichen wirtschaftlichen Einbruch bei uns in Deutschland oder in Niedersachsen führen wird. Das wäre sonst auch nach den Einbrüchen durch den niedrigen Erdölpreis und durch den Boykott gegen Russland eine weitere schwierige Lage für unseren Standort. Aber auch wir als Kommunen sind dazu aufgerufen, mit dem Brexit richtig umzugehen: Celle hat 10 internationale Partnerstädte und seit Jahren tun wir viel dafür, diese Partnerschaften mit Leben zu füllen und sie zu pflegen. Gerade jetzt gilt es das ganz besonders zu tun und das Verbindende zu unterstreichen. Fahren Sie in unsere englische Partnerstadt nach Tavistock, fahren Sie nach Meudon oder Kwidzyn, nehmen Sie die Bürgerreise im kommenden Jahr nach Hämeenlinna wahr. Lassen Sie uns mit unseren Partnerstädten eng zusammenwachsen – denn das ist das Verdienst dieses Engagements: über 70 Jahre Frieden in Europa! Das gilt es zu bewahren und zu stützen!

2 Kommentare zu “BREXIT: Adieu mit weinenden Augen

  1. Lieber Herr Mende,
    Ich könnte Sie ja auch einfach anrufen. Dennoch möchte ich auf diesem Weg Ihre Wiederwahl unterstützen. Ich habe Sie als sehr fachlich kompetenten Oberbürgermeister und als sehr sympathische Persönlichkeit kennen und schätzen gelernt. Sie habe in Ihrer Amtszeit viel bewegt und sich für die Belange der Bürger und die der Stadt sehr erfolgreich eingesetzt. Wer indes behauptet, die Jahre Ihrer Amtszeit sei verlorene Zeit für Celle gewesen – gleichgültig welcher Partei zugehörig- kann oder will das Erreichte nicht anerkennen und sollte lernen, sein Wahlprogramm selbst zu entwickeln oder sich kompetenten Berater suchen. Aber Abschreiben??
    Lieber Herr Mende, Sie habe meine Stimme für Ihre Wiederwahl!
    Herzliche Grüße auch an Ihre Frau und alle besten Wünsche für die Wahl
    am 11.09.
    Werner Cordes

  2. Lieber Herr Cordes,
    ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar! Eine solche Aussage aus berufenem Mund, von jemandem, der lange Jahre Celle beobachtet hat und als jahrelanger Leiter der JVA auch über den Tellerrand hinausschaut, macht mich schon ein wenig stolz.
    Auch mit Ihrem Rückenwind schaue ich sehr optimistisch auf den Wahltag.
    Ihnen und Ihrer Frau herzliche Grüße und alles Gute.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dirk-Ulrich Mende

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